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Liebes Tagebuch,

Maike war zwei Tage krank, d.h. sie konnte nicht in den Kindergarten, d.h. ich konnte nicht arbeiten. Zum Glück war das Wetter auf unserer Seite, also habe ich das angeschlagene Kind gut eingepackt in den Buggy gesetzt und jeweils drei Stunden lang durch unsere wunderschöne Umgebung geschoben. Sehr erholsam, auch für mich! Trotzdem bin ich heilfroh, dass sie allmählich wieder munter wird, und ich fühlte mich schon etwas abgeschnitten von der Welt, zumal Sven auch noch auf Dienstreise war. An die ländlichen Ladenöffnungszeiten muss ich mich noch gewöhnen, das habe ich festgestellt, als ich gegen 12.30 Uhr vor der verschlossenen Apothekentür stand. Mittagspause, klar. Und im Supermarkt habe ich mich heute offenbar wieder einmal als weltfremde Stadt-Uschi geoutet, als ich nach Marmeladegläsern fragte, weil ich die rund zehn Kilo Äpfel von meinem Nachbarn verarbeiten wollte. "Was? LEERE Gläser? Gibt's das überhaupt noch irgendwo? Was WOLLEN Sie denn damit?" Der gute Mann von Minimal war restlos entgeistert, und ich schreibe mir in mein Stammbuch: Marmeladekochen ist etwas für Stadtmenschen mit erdverbundenen Anwandlungen. Jeder Landmensch, der seine Sinne beisammen hat, kauft das Zeug einfach.
Was die Nachbarn zur Rechten gedacht haben, als ich mit meinem fabrikneuen Spaten unserem maroden Kirschbaum zu Leibe gerückt bin, möchte ich lieber gar nicht wissen. Es war der erste Baum, den ich in meinem Leben ausgerissen habe, und das hat man wahrscheinlich auch gesehen, aber immerhin: Weg isser! Jetzt steht dort ein hoffnungsvoller kleiner Ahorn, und ich kann nun aus Erfahrung sagen: Einen Baum zu pflanzen, das hat schon was - jedenfalls für weltfremde Stadt-Uschis.





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Von: rural
28.10.2005 | 21:14
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